Strafbewehrte Unterlassungserklärung: Zukünftige Verstöße unterbinden

  • Die strafbewehrte Unterlassungserklärung ist in der Regel ein Bestandteil der Abmahnung.
  • Ziel ist es, weitere Rechtsverstöße in der Zukunft zu verhindern.
  • Es ist grundsätzlich möglich, an der strafbewehrten Unterlassungserklärung Änderungen vorzunehmen.

Unterlassungserklärung als Bestandteil der Abmahnung

In der Regel liegt der Abmahnung eine strafbewehrte Unterlassungserklärung bei.
In der Regel liegt der Abmahnung eine strafbewehrte Unterlassungserklärung bei.

Bei einer Rechtsverletzung können die Geschädigten laut deutschem Recht ihre Ansprüche auf verschiedene Art und Weise geltend machen. Insbesondere in den Rechts­gebieten des Urheberrechts und des gewerblichen Rechtsschutzes findet dafür die Abmahnung Anwendung.

Dabei handelt es sich um eine zivilrechtliche Methode zur Prozessvermeidung, welche eine außergericht­liche Einigung angestrebt. Um sicherzustellen, dass es auch in Zukunft zu keinen weiteren Verstößen gegen geltendes Recht kommt, beinhaltet in der Regel jede Abmahnung die Aufforderung, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben.

Doch wann wird der Anspruch auf Unterlassung geltend gemacht? Was beinhaltet eine strafbewehrte Unterlassungserklärung? Welche Kosten fallen dabei an? Und welche Rolle spielt der Streitwert? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

Was ist eine strafbewehrte Unterlassungserklärung?

Juristen unterscheiden die Unterlassungserklärung nach strafbewehrt, modifiziert und vorbeugend.
Juristen unterscheiden die Unterlassungs­erklärung nach strafbewehrt, modifiziert und vorbeugend.

Die Unterlassungserklärung ist ein wichtiger Bestandteil der meisten Abmahnungen. Denn dieses Schriftstück dient dazu, zukünftige Rechtsverletzungen zu verhindern und die Wiederholungsgefahr zu minimieren. Das Abmahnschreiben hingegen erfüllt vor allem den Zweck, das widerrechtliche Handeln zu rügen und ggf. Schadensersatz zu fordern.

Juristen unterscheiden bei der Unterlassungserklärung insgesamt drei verschiedene Arten:

  • strafbewehrt
  • modifiziert
  • vorbeugend

Wird eine Unterlassungserklärung als „strafbewehrt“ bezeichnet, sieht diese eine Vertragsstrafe vor. In der Regel handelt es sich dabei um das Schriftstück, welches der Abmahnung beilag. Diese wurde vom Anwalt des Geschädigten aufgesetzt und ist daher in der Regel auch zu dessen Gunsten formuliert. Manchmal wird ein solcher Vertrag auch als „strafbewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung“ bezeichnet.

Erachten Sie oder Ihr Rechtsanwalt die Forderungen bzw. Bedingungen der Vereinbarung als überzogen oder ungerechtfertigt, besteht die Möglichkeit eine strafbewehrte Unterlassungserklärung auch zu verändern. Nach den Anpassungen wird das Ergebnis dann als modifizierte Unterlassungserklärung betitelt.

Um mögliche Kosten einer Abmahnung zu vermeiden, kann zudem eine vorbeugende Erklärung abgegeben werden. Diese Methode wird vor allem beim Filesharing von einigen Anwälten empfohlen. Ob dies allerdings sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.

Unabhängig davon, ob eine vorbeugende, eine modifizierte oder eine strafbewehrte Unterlassungserklärung vorliegt, handelt es sich dabei um einen lebenslang gültigen Vertrag. Unterschreiben Sie diesen also nicht leichtfertig.

Anwendungsbereiche für eine strafbewehrte Unterlassungserklärung

Strafbewehrte Unterlassungserklärung: Auch bei Verleumdung und Beleidigung finden diese Anwendung.
Strafbewehrte Unterlassungserklärung: Auch bei Verleumdung und Beleidigung finden diese Anwendung.

Die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung wird insbesondere im Urheberrecht und beim gewerblichen Rechtsschutz – zu dem unter anderem das Patent- sowie Markenrecht zählt – im Zuge einer Abmahnung gefordert.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung bei Beleidigung oder Verleumdung zu verlangen.

Urheberrechtsverletzungen werden in den meisten Fällen durch eine Abmahnung sanktioniert. Demzufolge ist auch eine strafbewehrte Unterlassungserklärung im Urheberrecht keine Seltenheit. Eine der häufigsten Gründe ist dabei die widerrechtliche Verbreitung von Dateien über das Internet beim Filesharing.

Die Abgabe einer Unterlassungserklärung ist aber auch bei Verstößen gegen das Markenrecht möglich, zum Beispiel wenn geschützte Logos oder Markennamen ohne die Zustimmung des Rechteinhabers verwendet werden.

Eine strafbewehrte Unterlassungserklärung kann aber auch dazu dienen, unerwünschte Briefkastenwerbung zu unterbinden.

Wie setzt sich eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zusammen?

Eine strafbewehrte Unterlassungserklärung wird im Urheberrecht häufig wegen Filesharing abgegeben.
Eine strafbewehrte Unterlassungserklärung wird im Urheberrecht häufig wegen Filesharing abgegeben.

Bei einer strafbewehrten Unterlassungserklärung handelt es sich um einen Vertrag, der sowohl gewisse formale als auch inhaltliche Kriterien erfüllen muss. So muss unter anderem der Absender – also der Geschädigte – eindeutig aus dem Schreiben hervorgehen. Lässt sich dieser durch einen Anwalt vertreten, wird auch dies vermerkt.

Der Aufbau der Schreiben ähnelt sich dabei in der Regel sehr. Insbesondere beim Filesharing liegt der strafbewehrten Erklärung meist ein einheitliches Muster zugrunde. Als elementare Bestandteile gelten dabei:

  • die Aufforderung, ein bestimmtes Verhalten in Zukunft zu unterlassen
  • die Festlegung einer Vertragsstrafe, die bei einer Zuwiderhandlung fällig wird
  • die Rechnung über die bisher angefallenen Kosten der Abmahnung

Darüber hinaus enthält eine strafbewehrte Unterlassungserklärung nicht selten auch ein Schuldanerkenntnis. Unterschreiben Sie diesen Vertrag ohne diesen vorher zu modifizieren, akzeptieren Sie die darin formulierten Bedingungen.

Die Höhe der Vertragsstrafe kann der Geschädigte bestimmen. Nicht selten bewegt sich diese im Bereich zwischen 1.500,00 und 15.000,00 Euro. Die Strafe ist dabei absichtlich hoch, um den Abgemahnten von einem Verstoß gegen die Unterlassungserklärung abzuhalten.

Kosten der strafbewehrten Unterlassungserklärung

Die Kosten einer Abmahnung werden durch den Streitwert bestimmt. Eine strafbewehrte Unterlassungserklärung ist dabei inklusive.
Die Kosten einer Abmahnung werden durch den Streitwert bestimmt. Eine strafbewehrte Unterlassungserklärung ist dabei inklusive.

Wird von Ihnen eine strafbewehrte Unterlassungs­erklärung gefordert, geht dies mit Kosten einher. Diese ergeben sich vor allem aus den finanziellen Ansprüchen, welche infolge der Rechtsverfolgung und der Beauftragung eines Anwalts entstanden sind.

Die Anwaltskosten einer Abmahnung beinhalten bereits eine strafbewehrte Unterlassungserklärung. Der Streitwert entscheidet dabei über die Höhe der Kosten, weshalb diese nicht nach Belieben bestimmt werden können.

Suchen Sie selbst juristischen Rat – um zum Beispiel den Vertrag prüfen oder anpassen zu lassen – ist auch dies mit Ausgaben für einen Anwalt verbunden. Ist es dadurch allerdings möglich, ungerechtfertigte oder überzogene Forderungen zu vermindern, können die Rechtsanwaltskosten durchaus angebracht sein.

Strafbewehrte Unterlassungserklärung: Mögliche Reaktionen

Viele Bürger sind in ihrem bisherigen Leben nie in Kontakt mit einer Abmahnung samt Unterlassungserklärung geraten. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass die Betroffenen leicht in Panik geraten, wenn sie ein solches Schreiben in ihrem Briefkasten finden.

Bei einer hohen Vertragsstrafe kann es sinnvoll sein, die strafbewehrte Unterlassungserklärung nicht zu unterschreiben.
Bei einer hohen Vertragsstrafe kann es sinnvoll sein, die strafbewehrte Unterlassungserklärung nicht zu unterschreiben.

Allerdings sollten Sie sich dennoch nicht vorschnell dazu entschließen, den Vertrag zu unterzeichnen und damit die darin aufgeführten Bedingungen zu akzeptieren. Denn nicht immer sind die Forderungen auch gerechtfertigt bzw. dem Rechtsverstoß angemessen.

Aus diesem Grund sollten Sie eine strafbewehrte Unterlassungserklärung nicht einfach unterschreiben, sondern vorher die Angaben des Abmahnschreibens prüfen. Wie Sie dabei vorgehen können, zeigt folgende Auflistung:

  • Überprüfen Sie alle Unterlagen vor einer Unterschrift.
  • Prüfen Sie die vorgeworfenen Rechtsverletzungen.
  • Kontrollieren Sie, ob es sich tatsächlich um einen Verstoß handelt.
  • Wägen Sie ab, ob die Forderungen zum Tatvorwurf im Verhältnis stehen.

Unabhängig davon, zu welcher Einschätzung Sie nach einer Prüfung der Vorwürfe kommen, ist es grundsätzlich ratsam, Rat von einem Anwalt einzuholen. Denn dieser kann die strafbewehrte Unterlassungserklärung auf Fehler prüfen und ggf. einzelne Formulierungen modifizieren.

Nehmen Sie selbst weitreichende Anpassungen vor oder weigern Sie sich, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterschreiben, kann dies dazu führen, dass die außergerichtliche Einigung scheitert. Nicht selten ist dann eine Unterlassungsklage die Folge. Diese geht mit weiteren Kosten einher.

Fazit zur strafbewehrten Unterlassungserklärung

Für die Geschädigten stellt die strafbewehrte Unterlassungserklärung eine geeignete Maßnahme dar, um die eigenen Rechte nach einem Verstoß auch in Zukunft zu schützen. Allerdings sind die Forderungen und Bedingungen nicht selten etwas zu weitreichend. Aus diesem Grund sollten abgemahnte Personen diesen Vertrag nicht einfach unterschreiben, sondern diesen vorher von einem Anwalt prüfen und ggf. modifizieren lassen.

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4 Gedanken zu „Strafbewehrte Unterlassungserklärung: Zukünftige Verstöße unterbinden

  1. Hallo, vielen Dank für Ihre Informationen hierzu. Jedoch vermisse ich weitere Hinweise bzw. Tipps, was man machen soll, wenn die angebliche Verleumdung
    wie im § 178 – Einzelnorm beschrieben:
    “Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist….” gar nicht stattgefunden hat???

    Ich habe in meinem Fall, eben gerade nicht “wider besseren Wissens” sogenannte “unwahre Tatsachen behauptet” bzw. an zwei Privatpersonen (als meine persönliche Erfahrung und meines von anderen mitgeteilt bekommenen Wissens) “verbreitet”. Also: von meiner Seite aus gab es unstreitig kein Verhalten “wider besseren Wissens”… und in einem Punkt der Beschuldigung auch keine “unwahre Tatsachenbehauptung”.
    Wie sollte man da nun vorgehen?? (Hinweis: Ich habe im Laufe von 1-2 Jahren, 2 verschiedenen Personen von einer Hundeschule in einer privaten, spontanen Unterhaltung abgeraten. Es waren jeweils keine anderen Zeugen dabei. Nun kam per OGV mit förmlicher Zustellung (ohne Abmahnung) ein RA-Schreiben mit den Verleumdungsvorwürfen nebst einer “Strafbewährten Unterlassungs- / Verpflichtungserklärung / Vertragsstrafe i.H. v. 5.000 € nebst RA-Kostenübernahme v. 526,79 € plus Zustellungs-OGV-Gebühr!)

    Ich wäre Ihnen außerordentlich dankbar für Ihren Tipp in diesem genannten Fall, bei dem nichts “wider besseren Wissen” sowie keine “unwahre Tatsachen behauptet” wurden.

    Liebe Grüße, Christine

    1. Hallo Christine,
      leider können wir in solchen Fällen nur raten, einen Anwalt einzuschalten, da wir keine Rechtsberatung durchführen dürfen.

      Ihr Team von Unterlassungserklaerung.org

  2. Hallo, vielleicht habt ihr eine Ahnung.

    Wir haben ursprünglich eine Unterlassungserklärung unterschrieben, die wir nicht abgeändert haben.
    In dieser war ein Fehler der eigentlich das Gegenteil von uns verlangte.

    Nun bekamen wir eine neue / korrigierte Unterlassungserklärung.

    Kann die Kanzlei nach dem wir diese unterschrieben, erneut die Geschäftskosten einfordern die wir schon für die ursprüngliche beglichen haben?

    Vielleicht wisst ihr ja etwas.

    Danke im voraus.

    1. Hallo Rene,
      welche Auswirkungen eine korrigierte Unterlassungserklärung hat und welche Kosten dabei anfallen können, sollten Sie mit einem Anwalt besprechen. Wir dürfen keine kostenlose Rechtsberatung geben.

      Ihr Team von Unterlassungserklaerung.org

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